Haus
Rotenturmstraße 12: die Geschichte des Hauses „Zur Linde“
29. September 2026 · 3 Min. Lesezeit
Vom ältesten bekannten Eigentümer 1367 über den Neubau von Fellner & Helmer bis zur Speisekarte von 1904: was die Stadtgeschichte über das Haus Rotenturmstraße 12 und die „Linde“ festhält.
Die Rotenturmstraße 12 ist nicht irgendeine Adresse im Ersten. Das Haus hat einen alten Namen, eine lange Reihe von Besitzern und eine Gastwirtschaft, die als „Zur Linde“ bekannt wurde. Wir haben zusammengetragen, was das Wien Geschichte Wiki, das Nachschlagewerk der Stadt Wien, zum Haus festhält — die Quelle steht unten.
„Zur Linde“: woher der Name kommt
Dort trägt das Haus neben seiner Adresse zwei Namen: „Zur Linde“ und „Lindenkeller“. Dort steht auch, dass sich im Haus die Gastwirtschaft „Zur Linde“ befindet, heute das Restaurant Lindenkeller.
Zur Herkunft des Namens heißt es: „Der Name erinnert an eine sagenumwobene Linde, die einst vor dem ersten Pfarrhof von St. Stephan stand.“ Vom Stephansdom sind es bis heute nur ein paar Minuten zu Fuß.
1367: der älteste bekannte Eigentümer
Die Geschichte des Hauses Rotenturmstraße 12 reicht weit zurück. Der älteste bekannte Eigentümer wird 1367 genannt. Danach wechselte das Haus viele Male den Besitzer; 1646 gehörte es unter anderem Johannes Matthias Testarello della Massa.
Überliefert sind auch die alten Konskriptionsnummern, mit denen in Wien früher die Häuser gezählt wurden: von 1770 bis 1795 die Nummer 755, von 1795 bis 1821 die 779 und von 1821 bis 1862 die 733.
1876/77: ein Relief und ein Neubau von Fellner & Helmer
Vom abgebrochenen Haus ist ein Detail überliefert: In seinem Hof zeigte ein Relief den auferstehenden Heiland im Kreis der schlafenden Wächter. Es stammte vielleicht aus dem 15. Jahrhundert und war wahrscheinlich schon an einem früheren Gebäude angebracht, bevor man es auf das nachfolgende übertrug.
1876/1877 wurde das alte Haus durch einen Neubau ersetzt. Errichtet haben ihn die Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Ihr gemeinsames Büro ist vor allem für seine Theaterbauten bekannt, in Wien etwa für das Volkstheater, dazu für Theater in vielen Städten der damaligen Monarchie und darüber hinaus.
Die „Linde“ in alten Bildern
Auch aus dem frühen 20. Jahrhundert sind Dokumente erhalten. Die Galerie des Wiki-Eintrags zeigt eine Speisekarte aus dem Jahr 1904 und eine Innenansicht des Restaurants um 1910; beide stammen aus der Online-Sammlung des Wien Museums. Dazu kommt eine Aufnahme der Rotenturmstraße 12–14 aus dem Jahr 1941 aus dem Wiener Stadt- und Landesarchiv. Wer die Bilder selbst sehen möchte, findet sie über den Eintrag im Wiki, der unten verlinkt ist.
1435: die Überlieferung des Hauses
Und dann ist da noch eine Jahreszahl, die zum Lindenkeller gehört wie der Name: 1435. Der Überlieferung des Hauses nach befand sich die „Linde“ schon damals an diesem Ort. Die Jahreszahl ist sogar in die Glasscheiben des Restaurants zur Straße hin eingeätzt.
Für uns ist 1435 ein Teil der Tradition des Hauses, den wir gern weitererzählen.
Quelle
Die Angaben zur Hausgeschichte stammen aus dem Eintrag „Rotenturmstraße 12“ im Wien Geschichte Wiki, der sich auf Paul Harrers Werk „Wien, seine Häuser“ stützt.
Wer nach so viel Geschichte Hunger bekommt: Unsere Speisekarte ist um einiges jünger als das Haus und ganz der Wiener Küche verschrieben. Wie man uns zwischen Dom und Kanal findet, steht im Text Zwischen Stephansdom und Schwedenplatz.